Musings

Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke

Archive of ‘Zitate’ category

Istanbul-Grill

Der Istanbul-Grill ist ein Gemälde von Otto Dix. Hier setzen die Trinker, die Obdachlosen, die noch nicht ganz Obdachlosen, die Gelegenheitsarbeiter, die Zugehfrauen zwischen zwei Wohnungen, die Bauarbeiter, die Menschen, die nicht weiter wissen, denen die Tage zu lang sind, die aufgegeben haben, die Alten zu denen vielleicht an Weihnachten noch einmal Besuch kommt, aber sonst nicht mehr. Hier sitzen die Anderen.
https://readonmydear.com/2018/05/25/der-istanbul-grill-ist-eine-deutsche-insel/

Mein Berlin, wie es die Touristen niemals zu sehen bekommen…

Älterer Mann sitzt an einem Imbiss in der Sonne

Nichts Neues unter der Sonne

Der Zug der Österreichischen Bundesbahnen, der mich nach Wien bringen soll, heißt Railjet. Geht’s noch angeberischer? Warum nicht gleich Gleisrakete, das Space Shuttle auf der Schiene? Früher suchten die Erfinder das Neuartige sprachlich an das Vertraute anzuschließen, um den Menschen die Angst zu nehmen, so wie beim „Flughafen“. Heute schwindeln Marketingschwätzer das Altbekannte zur Neuigkeit hoch. Wahrscheinlich bleibt ihnen nichts anderes übrig, weil Erfindungen, die das Leben der Leute wirklich verbessern, schon lange keine mehr vorgefallen sind. Die letzten großen Erfindungen der Menschheit waren, wenn ich nicht falsch unterrichtet bin, der Flachbildschirm, Aperol Spritz und der Gender-Asterisk.
(Michael Bittner: Meine Eroberung Wiens, 14.4.2018)

Go deeper, not wider

Aside from the initial buzz of novelty, the things we acquire don’t deliver any value until we cultivate it, which is a different kind of work than acquisition. So any feeling of “not enough” may not be from missing important parts, as marketers would have you believe, but from not using the parts that are there.

(David Cain, Mine Your Acre of Diamonds)

Lesetipp: Kommunizieren für Fortgeschrittene

Absoluter Lesetipp: André Spiegels Beschreibung moderner Kommunikation: Kommunizieren für Fortgeschrittene

Es ist nicht klar, was genau sich ausgerechnet in den letzten paar Jahren verändert haben soll, das uns das Gefühl gibt, als sei etwas ins Rutschen geraten, als hätte gerade eben erst eine Umwälzung aller unserer Kommunikationswege eingesetzt, deren Ausmaß wir noch kaum abschätzen können.

(André Spiegel: Kommunizieren für Fortgeschrittene, 4.10.2017, https://medium.com/@drmirror/kommunizieren-c25ee29b0351)

 

Gut gesagt

Der Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist Götz Aly wendet sich gegen die Inschrift “Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.” auf dem geplanten Einheitsdenkmal in Berlin.
Aus gutem Grund kritisiert er eine derartige “Volksverherrlichung”:

“Das Volk, das Helmut Kohl am 19. Dezember 1989 in Dresden zujubelte, ist teilidentisch mit jenem Pegidavolk, das die heutige Bundeskanzlerin als Volksverräterin verleumdet. Hier liegt der springende Punkt. Die Kanzlerin ist eben nicht auf einen diffusen sächsischen Volkswillen vereidigt, sondern auf internationale Verträge, zum Beispiel die UN-Charta der Menschenrechte von 1948, und auf das Grundgesetz. Sie wird von Abgeordneten gewählt, die ausdrücklich den Gesetzen und ihrem Gewissen verpflichtet sind. Vor diesen muss sie ihre Politik verantworten, nicht vor einem mal so, mal so gestimmten Volk. Entscheidungen des Parlaments, des Bundesrats oder der Bundesregierung werden gegebenenfalls vom Verfassungsgericht überprüft – nicht vom Volk.”
Quelle: Götz Aly: Volk und Einheitswippe, Verfassung und Recht. Berliner Zeitung, 16.5.2017, S. 8 der Printausgabe, online: http://www.berliner-zeitung.de/26907228 ©2017