Musings

Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke

Tag der urbanen Schönheit

Herr Ackerbau ruft den Tag der urbanen Schönheit aus.
Thema sind “Brücken”, und da findet sich doch was im Archiv:

Lange Brücke, Rathenow – So stellt man sich den Zugang zu einer Bundesgartenschau vor, oder?

 

Liebknechtbrücke, Berlin – Geschütztes Plätzchen in der feindlichen Großstadt

 

Landwehrkanal, Berlin – Brücke für urbanes Abwasser

 

Trasa Zamkowa im. Piotra Zaremby, Szczecin – einfach nur schön.

 

Neujahrsgrüße 1943

Anfang Januar 1943 trifft in einem kleinen Dorf in Westpreußen, etwa 60 km westlich von Bromberg, dem heutigen Bydgoszcz, gelegen, ein Brief aus Berlin ein.

Der Brief ist an eine junge Krankenschwester gerichtet, die im kleinen Dörfchen Luchowo, das seit einem halben Jahr “Buchen” heißt, in der dortigen Volksschule lebt und arbeitet. In der Schule ist ein sogenanntes “K.L.V.-Lager” eingerichtet, ein Lager der Kinderlandverschickung. Hier werden Kinder aus bombengefährdeten Gebieten des Deutschen Reichs fern von ihren Familien betreut. Die junge Krankenschwester ist für die medizinische Versorgung der Kinder zuständig; sie verabreicht Impfungen, verarztet kleine und große Wehwehchen, und ist bemüht,  durch mangelhafte hygienische Zustände hervorgerufene Infektionen in den Griff zu bekommen.

Seit zwei Monaten arbeitet die 22-jährige Franziska im Buchener KLV-Lager; sie verbringt dort den Winter, in welchem die Schlacht von Stalingrad entschieden wird. Erst Mitte Februar wird sie für einige Tage nach Berlin zurückkehren, bis sie erneut versetzt werden wird, diesmal nach Prag.

Als unverheiratete Krankenschwester muss sie es sich gefallen lassen, von heute auf morgen irgendwohin geschickt zu werden, um dort nach ihren Möglichkeiten “Dienst am Vaterland” zu tun − so ist das eben im Krieg, sie nimmt das hin. Und obwohl es in der Buchener Schule kalt und unbequem ist, ist die Arbeit doch leichter als im Krankenhaus in Berlin, wo es im Spätsommer 1942 wiederholt zu Bombardierungen durch sowjetische Verbände gekommen war.
Nur etwas einsam fühlt sie sich hier; sie vermisst das Zusammensein mit anderen jungen Frauen, das gemeinsame Scherzen, Singen und Lachen mit den Kolleginnen im Schwesternheim.

Und Günter. Ihn hatte sie vor gut einem Jahr im Krankenhaus Westend kennengelernt, wo er als Patient gewesen war. Und sich in den zwei Jahre jüngeren technischen Zeichner verliebt. Seine Familie hatte sie mit offenen Armen aufgenommen, und besonders sein Vater, der sich immer eine Tochter gewünscht hatte, hatte einen Narren an ihr gefressen.

Und so ist es kein Wunder, dass er ihren Brief mit Weihnachts- und Neujahrswünschen an die Familie beantwortet und damit Franziskas Herz erwärmt in diesem Winter fern der Menschen, die sie liebt:

 

Sonntag d. 3.1.43

Liebes Fränzelein!

Gott grüße dich im neuen Jahr, mit diesem Gruß haben wir auch daß neue Jahr begonnen das wir am 1.1.43 erreichten. Du hast ganz recht gedacht über unsere Sylvester Feier, 2 x Rommy und dann ins Bett. Wir haben schön geschlafen bis ich auf mein „Klavier“ daß Gott grüße dich ertönen ließ. Für deinen letzen Brief im alten Jahr habe Dank, u. nun geht es auf ein Neues, denke, 365 ungewisse Tage, sie können Freud u. Leid bringen. Deine l. Mutter hat auch geschrieben, vieleicht hat dir Günter schon von all der Post geschrieben, Marianne, Karl, Eltern, Onkel Franz. Sie alle wünschen Euch beiden u. uns allen alles Gute u. Schöne, auch Großmutter u. Tante in Oegeln stimmen mit ein.

3 Tage habe ich jetzt Ruhe gehabt, war schön, morgen geht es aber für uns allen mit frischer Kraft los. Mama hat ger. Wäsche u. Du hast auch Deine Pflichten.

Heute ist es ungemütich draußen, der Schnee fällt den ganzen Tag bleiern u. schwer u. der Wind heult sein grausames Lied. Ich sitze vor den beiden Azalien sie blühen schön als wenn es gar nicht Winter wäre. Wir haben jetzt unseren Gullasch gegessen u. werden unseren Mittagsschlaf halten, Du bist ja nun in unseren häuslichen Arbeiten mit eingelebt u. unser Tun u. Laßen steht Dir vor Augen, am Abend denken wir an den 4 ten „Mann“ beim Rommé. Dienstag habe ich wieder Luftschutz aber diesmal bleibt mein Bett leer. Daß Du in 2 Wochen in Berlin sein willst ist ja mehr kühn, ich wünsche Dir zu diesem Glück viel Glück, man kann ja nicht wissen junge Menschen haben halt Glück.

Bis dahin sei nun herzlich gegrüßt von Mama u. Papa
die auf gesundes Wiedersehen hoffen.

(u. jetzt ein Stündchen am Ofen)

 

Anmerkung:
Rechtschreibung wie im Original

 

Frohet Neuet!

Hoffe, allseits jut’n Rutsch jehab ssu ham und wünsche allet jute fürs neue Jahr!

Silvester 2016 in Kreuzberg (Blick aus meinem Fenster):

Privates Silvesterfeuerwerk in Berlin-Kreuzberg

 

Silvesterfeuerwerk in Berlin-Kreuzberg

 

Start einer Silvesterrakete in Berlin-Kreuzberg

 

Silvesterrakete in Berlin-Kreuzberg

 

Explodierende Silvesterrakete in Berlin-Kreuzberg

 

Silvesterfeuerwerk in Kreuzberg

Jahresrückblick in Stichpunkten

Zugenommen oder abgenommen?
8 kg abgenommen! Und eins in der Adventszeit wieder zugenommen ;-)

Haare länger oder kürzer?
Etwas länger, weil ich mit der bisherigen Kurzhaarfrisur nicht mehr glücklich bin, aber nicht weiß, was ich sonst haben will. Also erstmal wachsen lassen, weil ich mir einbilde, dann kann man leichter etwas ganz Neues formen…

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Wenn ich jemals den Unterschied begreifen würde… Ich sehe nach wie vor kleines Fummelzeug in der Nähe sehr gut und kann Sachen, die weiter weg sind schlechter erkennen. Allerdings ist die Distanz des Sehr-gut-Sehens von etwa Armlänge auf Armlänge minus Handlänge geschrumpft.

Mehr bewegt oder weniger?
Mich selbst: mehr. Allein durch den Aufenthalt in A., wo ich häufig Spaziergänge unternommen habe.
Andere Dinge: ebenfalls mehr, obwohl 2015 auch schon nicht schlecht war.

Mehr Geld oder weniger?
Es ist mehr reingekommen, aber auch mehr rausgegangen; im Endeffekt habe ich also etwa gleich wenig zur Verfügung.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Hauptsächlich Kosten für A.

Der hirnrissigste Plan?
Ich fasse keine hirnrissigen Pläne. Ich bin Sternzeichen Jungfrau und Kontrollfreak – hirnrissige Pläne kann ich gar nicht ;-)
Na ja vielleicht die Idee, in A. zusätzlich zu einem vollen Arbeitstag den Haushalt UND den Garten UND regelmäßige Spaziergänge und Ausflüge UND soziale Aktivitäten stemmen zu wollen, mein Aktivitätslevel also um ungefähr 300% zu steigern.

Die gefährlichste Unternehmung?
In einer Konfliktsituation alle Karten auf den Tisch zu legen und ohne Ausflüchte oder Notlügen  vollumfänglich die Wahrheit zu sagen.
Es ist gut gegangen.

Die teuerste Anschaffung?
Anteil an einem kleinen Haus – mit einem Darlehen, an dem ich wohl abzahle, bis ich ins Altenheim ziehen muss.

Das leckerste Essen?
Die gemischte Lothringer Platte im La Marmite de l’Olivier in Metz. Auch wegen des Essens, aber vor allem wegen der Atmosphäre.

Das beeindruckendste Buch?
Stephen King: Der dunkle Turm. Wegen der Handlung, aber vor allem weil ich es beeindruckend finde, wie man über 30 Jahre und acht Bände eine derartig spannende Geschichte erzählen kann (die natürlich auch Längen und Schwächen hat, aber trotzdem).

Das enttäuschendste Buch?
Die Krimis von Camilla Läckberg. Sie wird in meiner Wahrnehmung ziemlich gehypt, aber ihr Schreibstil und ihre Figuren gefallen mir überhaupt nicht, vor allem die Frauen.

Der ergreifendste Film?
Ergreifende Filme schaue ich mir nicht mehr an, aber Ida hat mir sehr gut gefallen.

Die beste Musik?
Meine persönliche Neuentdeckung: Dissidenten. Da sie hauptsächlich in den 1980ern und 1990ern gewirkt haben, eher eine Wiederentdeckung, aber für mich neu.
Auch sehr schön: Ray Lema spielt 20 Jahre später nochmal sein komplettes Album “Green Light” (1996) für ARTE

Das beste Theater?
Ich mag kein Theater. Ich mag aber Filme, die eigentlich Theaterstücke oder Kammerspiele sind. In diesem Jahr vor allem: Venus im Pelz (2013), wo ich Mathieu Amalric für mich entdeckt habe, und Der Gott des Gemetzels (2011) mit einem großartigen Christoph Waltz. Lustigerweise beide von Polanski…

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Arbeiten, Schlafen und Lesen. In dieser Reihenfolge.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Spazierengehen.

Vorherrschendes Gefühl 2016?
Freude.

2016 zum ersten Mal getan?
Mich wirklich richtig und dauerhaft verschuldet, um eine große Anschaffung zu tätigen.
Alleine in der Fremde in einem Haus mit Garten gelebt.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Regelmäßig Tagebuch geschrieben.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Den entzündeten Zahn.
Migräne.
3 Stunden Nasenbluten, wenn ich eigentlich was Schönes (und teures) unternehmen wollte.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ein Umzug ist möglich.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Weiß nicht. Ich habe einige gemacht, die ich für sehr gelungen hielt, aber das Feedback war so lala.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Vergebung.

2016 war mit einem Wort…?
Erlebnisreich.

Vorsätze für 2017?
Aufräumen: die Wohnung ausmisten und eine der letzten großen Baustellen in meinem Leben (BAR) in Ordnung bringen.
Weiter abnehmen.
Mehr verdienen.

Right Now – Bestandsaufnahme Ende 2016

Ich lese… nach wie vor täglich und viel. Im vergangenen Jahr viel von Stephen King und Isabel Allende oder Ljudmila Ulitzkaja, außerdem skandinavische Krimis. Jetzt auch wieder häufiger auf Deutsch, weil ich viele Titel als e-Books billig bekommen habe.

Ich trage… den Kopf hoch. Nicht aus Hochmut oder Arroganz, sondern aus Selbstbewusstsein und dem Wissen um den eigenen Wert als Mensch, als Frau, als was auch immer.

Ich habe… weniger Angst – vor sozialem Versagen, meine Meinung zu äußern, zu meinen Schwächen zu stehen, Fehler zuzugeben, Missstände zu benennen.

Ich höre… nach wie vor wenig Musik. Ich mag es nicht, bedudelt zu werden; andererseits ist mir “gute” Musik oft zu anstrengend, weil sie mich zu sehr beschäftigt und zu viel Kraft kostet.

Ich trinke… nach wie vor zu wenig, weil ich Durstgefühl mit Appetit auf Süßes verwechsle

Ich esse… bewusster und achte mehr auf den Kaloriengehalt von Lebensmitteln, seit mein Gewicht meine persönliche Schmerzgrenze überschritten hat.

Ich stehe… auf beiden Beinen im Leben, auch wenn die manchmal etwas wacklig werden, wenn zu viel los ist

Ich gehe… am liebsten überall hin zu Fuß. Dann sehe ich mehr.

Ich lache… wieder mehr, häufig innerlich. Ich lächle sehr oft, und häufig auch einfach fremde Menschen an.

Ich sehe… tote Menschen. Tue ich nicht, aber dieses Filmzitat ging mir dieses Jahr häufiger durch den Kopf. Vielleicht, weil ich selbst vom Tod so wenig berührt wurde, aber überall an die Toten meines Lebens erinnert wurde.

Ich mag… mein Leben im Moment sehr.

Ich schreibe… leider viel zu wenig, weil ich mehr arbeite und nach der Arbeit müde bin. Aber seit einem Jahr schreibe ich wieder regelmäßig Tagebuch, das hält den Kopf “sauber”.

Ich weiß… ich kann schaffen, was ich mir vornehme.

Ich möchte… noch einiges in meinem Leben verändern, vor allem die letzten Leichen aus dem Keller räumen (Ihr wisst, wer gemeint ist!)

 

Idee gesehen bei der Kaltmamsell
Letzte Bestandsaufnahme vom Oktober 2015 hier