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Gut gesagt

Der Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist Götz Aly wendet sich gegen die Inschrift “Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.” auf dem geplanten Einheitsdenkmal in Berlin.
Aus gutem Grund kritisiert er eine derartige “Volksverherrlichung”:

“Das Volk, das Helmut Kohl am 19. Dezember 1989 in Dresden zujubelte, ist teilidentisch mit jenem Pegidavolk, das die heutige Bundeskanzlerin als Volksverräterin verleumdet. Hier liegt der springende Punkt. Die Kanzlerin ist eben nicht auf einen diffusen sächsischen Volkswillen vereidigt, sondern auf internationale Verträge, zum Beispiel die UN-Charta der Menschenrechte von 1948, und auf das Grundgesetz. Sie wird von Abgeordneten gewählt, die ausdrücklich den Gesetzen und ihrem Gewissen verpflichtet sind. Vor diesen muss sie ihre Politik verantworten, nicht vor einem mal so, mal so gestimmten Volk. Entscheidungen des Parlaments, des Bundesrats oder der Bundesregierung werden gegebenenfalls vom Verfassungsgericht überprüft – nicht vom Volk.”
Quelle: Götz Aly: Volk und Einheitswippe, Verfassung und Recht. Berliner Zeitung, 16.5.2017, S. 8 der Printausgabe, online: http://www.berliner-zeitung.de/26907228 ©2017

Bye…

…and thank you for a great adventure and for limitless inspiration!

Photo: ESA/ATG medialab; Comet image: ESA/Rosetta/Navcam

30.9.2016: Ende der Rosetta-Mission

 

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Die letzten Minuten…

 

 

 

Das letzte Bild von Komet 67P kurz vor der Landung:

 

End of Rosetta Mission

Weniger Angst haben – mehr Wissen: Zeichner entkräften Bürgerängste

“Angst ist ein schlechter Ratgeber. Unsere Vorsätze für 2016: Weniger Angst haben – mehr Wissen.
Eine Gruppe bekannter deutscher Zeichner hat sich zusammen getan, um die Top15 der Besorgten-Bürger-Ängste zu illustrieren -
und mit Fakten zu entkräften…”

Angst: Wir haben keinen Platz in Deutschland

In Relation zur Einwohnerzahl kommen in Deutschland auf 1.000 Menschen 2,5 Flüchtlinge. In Schweden sind es 8,5. Außerdem werden in Schweden mehr Asylanträge angenommen: Etwa zwei Drittel, in Deutschland nur etwa ein Drittel. (Zahlen von 2014)

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Angst: Zu uns kommen nur Wirtschaftsflüchtlinge

 

Der diffamierende Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ wird oft auf Asylsuchende vom Balkan verwendet, in der Annahme, sie würden bei uns lediglich ein besseres Leben suchen. Viele Roma vom Balkan werden allerdings in ihren Herkunftsländern diskriminiert. In Deutschland haben sie kaum Chancen auf Asyl. Anders etwa in der Schweiz: Dort bekommen 40 Prozent der Flüchtlinge vom Balkan Asyl.

 

Angst: Die Flüchtlinge bringen den Terror zu uns

 

Eine großartige Initiative und ein kleiner Lichtblick in diesen Zeiten der Verunsicherung, Demagogie und Hetze.

Angst ist ein schlechter Ratgeber!

Hier gibt’s noch mehr davon:

bildkorrektur.tumblr.com

Als Lehrjahre noch Wanderjahre waren

Aus einer 1925 selbst verfassten “Familienchronik” (Rechtschreibung wie im Original):

“Josef S. geb. am 20. Febr. 1883.
An Ostern 1889 in die Volksschule zu Oberkirch bis 1897, 1896 erste hl. Komunion, 1898 in die Lehre zum Wagnermeister Fischer in Oberkirch, im März 1901 in die Fremde zunächst nach Karlsruhe, an Pfingsten 1901 auf Wanderschaft über Germersheim, Speier, Heidelberg nach Mannheim. Im März 1902 wieder auf Wanderschaft über Kniebis, Stuttgart, Geislingen, Ulm, Augsburg nach München, von hier nach Starnberg, Weilheim, Murnau, Garmisch. Tiroler Grenze, Walchensee, Kochelsee, Tegernsee, nach kurzer Arbeit nach Miesbach, Aibling, Rosenheim, Traunstein, Salzburg, von hier durch das Salzkammergut über Ischl nach Gmunden, Wels nach Linz. Nach kurzer Arbeit mit dem Floß auf der Donau nach Wien. Nach drei Wochen mittels Dampfer wieder nach Linz, von hier zu Fuß nach Passau und Straubing, hier gearbeitet bis März 1903, hier wurde ich ausgehoben zum 1. Jägerbataillon, ging zu Fuß nach München über Landshut, arbeitete dort bis zum Okt. und rückte am 26.11.1903 zum 1. Jägerbataillon nach Straubing ein.”

Die Wanderschaft für Gesellen ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwar nicht mehr zwingend vorgeschrieben, wird aber nach wie vor von vielen jungen Männern genutzt, um “die Welt” kennenzulernen.

Für den Bauernsohn Josef aus dem Badischen Oberkirch, jüngstes von sieben Kindern, ist die Wanderschaft nicht nur eine aufregende Sache, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Den väterlichen Hof übernimmt der 14 Jahre ältere Bruder, der selber gerade dabei ist, eine Familie zu gründen, die Geschwister verlassen die Badische Heimat, eine Schwester geht ins Kloster.

Josef zieht es ebenfalls hinaus “in die Fremde”, und seine Wanderschaft führt ihn letztendlich bis nach Wien, was für einen jungen Burschen aus einer Badischen Kleinstadt – Oberkirch hatte im Jahr 1900 ca. 3.200 Einwohner – einer halben Weltreise gleichgekommen sein muss.

Auf der folgenden Karte kann man Josefs Wanderungen nachvollziehen:

Die grünen Punkte markieren die Stationen seines ersten Wanderjahres 1901, die orangenen Punkte das Jahr 1902 und die gelben Punkte das Jahr 1903 (der rote Punkt markiert Oberkirch in Baden).
Rechts unten über das Plus-Zeichen kann man die Karte vergrößern. Beim Klick auf die einzelnen Punkte erscheinen weitere Informationen.
Hinweis: Die Buchstaben an den einzelnen Stationen bedeuten nichts, die sind eine Eigenheit der Google-Kartenfunktion…

Ungefähr zurückgelegte Kilometer:
1901: ca. 275 km
1902: ca. 1.350 km (inkl. ca. 410 km auf der Donau von Linz nach Wien und zurück)
1903: ca. 250 km (Straubing-München und zurück)
Gesamt: ca. 1.875 km

Nach Ableistung seines Militärdienstes wird Josef zunächst als Berufssoldat beim 1. Königlich Bayerischen Jägerbataillon in Straubing bleiben.
1906 werden die “Einserjäger” nach Freising verlegt, wo Josef seine zukünftige Frau kennenlernen und 1913 heiraten wird.
Mit Urkunde vom 16.12.1915 wird Josef die Staatsangehörigkeit im Königreich Bayern durch Aufnahme erhalten.
Josef bleibt bis zur Auflösung des Regiments 1920 begeisterter “Einserjäger” und erlangt den Rang eines Offiziersstellvertreters.

PS: Josef S. war mein Urgroßvater.