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Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke

Archive of ‘Allgemeines’ category

Neues Projekt: Alles für Ostern

Ich liebe schöne Dinge, und ich liebe es, die Wohnung festtäglich zu dekorieren – gerne auch ein bißchen kitschig. Insofern lebe ich in der Adventszeit und zu Ostern richtig auf.

Da ich annehme, dass auch andere dieser Leidenschaft frönen, habe ich die Seite Alles für Ostern ins Leben gerufen, auf der ich Produkte rund ums Osterfest vorstelle: Osterdekoration, Bastelbücher, Ostergeschirr, kleine Geschenkideen und vieles mehr sollen dort ihren Platz finden.

Und wer sich einen der vorgestellten Artikel gleich kaufen möchte, findet jeweils die Bezugsquelle, wo man das gute Stück online bestellen kann.

Die Seite wurde mit WordPress umgesetzt und verwendet das kostenlose Theme tm-easter von TemplateMonster. Die Seite war inklusive Domainreservierung innerhalb von 24 Stunden online, und wird nun laufend von mir mit Inhalten gefüllt.

Reverse Graffiti

Durch diesen Beitrag auf farbwolke.de bin ich auf die ungewöhnliche Kunstform “Reverse Graffiti” aufmerksam geworden. Als Reverse Graffiti, also etwa “umgekehrtes Graffiti” bezeichnet man Bilder, die auf schmutzigen Oberflächen durch das selektive Abwaschen des Schmutzes geschaffen werden.

Ein bißchen also, wie wir als Kinder (und Erwachsene) auf schmutzigen Autos gern den Hinweis “Sau” hinterließen. Heutige Reverse Graffiti-Künstler gehen da natürlich professioneller ran und verwenden je nach Oberfläche Hochdruckreiniger, die mit Wasser oder Dampf arbeiten, aber auch Sandstrahler oder pulverisiertes Trockeneis.

Die so hergestellten Bilder lassen sich als Kritik an der Umweltverschmutzung verstehen; die meisten Künstler nutzen diesen Weg aber wohl eher, um etwas Originelles herzustellen und gleichzeitig dem mit herkömmlichem Graffiti ja schon reflexhaft verbundenem Vorwurf der Sachbeschädigung zu entgehen.

Eines der größten Reverse Graffitis schuf der Künstler Paul ‘Moose’ Curtis 2008 in San Francisco (The Reverse Graffiti Project):

YouTube Preview Image

Hier weitere schöne Beispiele:

Paul 'Moose' Curtis, San Francisco

Paul ‘Moose’ Curtis, San Francisco; Foto: FogCityFog

Reverse Graffiti, Singapur; Foto: yeowatzup

Reverse Graffiti, Singapur; Foto: yeowatzup

Reverse Graffiti, Paris; Foto: bthomso

Reverse Graffiti, Paris; Foto: bthomso

Fotos (alle via Flickr):

Paul ‘Moose’ Curtis, San Francisco – “Close Shot of Moose’s Reverse Graffiti Forrest” von FogCityFog unter CC BY-NC-SA 2.0
Reverse Graffiti, Singapur – “Reverse Graffiti, Kallang, Singapore” von yeowatzup unter CC BY 2.0
Reverse Graffiti, Paris – “Reverse Graffiti – who is this?” von bthomso unter CC BY-NC-SA 2.0

Ich lese gerade…

…”Komm, süßer Tod” von Wolf Haas.

“Aber da nützt das ganze Heulen nichts. Die Katze war hin. Ich weiß jetzt nur nicht, ob das mehr Unglück bringt oder weniger, wenn du die schwarze Katze totfährst, die dir über den Weg läuft.”


Ein solcher Satz gleich auf der ersten Seite lässt hoffen – und das Buch enttäuscht nicht.

Es ist meine erste Begegnung mit Wolf Haas und seinem “Privatschnüffler” Simon Brenner, und beide begeistern mich: Der Wolf Haas mit seiner Sprache, als sitze er gerade mit Dir bei einem Bier zusammen und erzähle Dir diese Geschichte, und der Brenner mit seinem grantigen schwarzen Humor.

Das ist mal ein skurriler Krimi mit Figuren direkt aus dem Leben gegriffen – beschönigt wird hier wahrlich nichts.

Ich bin schon gespannt auf die anderen Bände…

Wolf Haas
Komm, süßer Tod
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1998

Alle Wolf Haas-Bücher gibt es natürlich bei Amazon.

Ich lese gerade…

…”Notizen zum Stand der Dinge” von Andrzej Szczypiorski (1924-2000).

Am 13.12.1981 wurde in Polen der Kriegszustand ausgerufen und der Schriftsteller Andrzej Szczypiorski zusammen mit vielen anderen Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern verhaftet. Er blieb 3 Monate interniert, erhielt ein jahrelanges Publikationsverbot und hatte lange keine Möglichkeit, am öffentlichen Leben teilzunehmen.

In dieser Zeit verfasste er die vorliegenden Notizen, von denen ein Teil im Herbst 1983 in London publiziert wurde, ein zweiter Band in einem Warschauer Untergrundverlag im Frühjahr 1987.

In diesen Texten schildert er neben äußeren Erlebnissen – Verhaftung, Internierung, Begegnungen mit Menschen nach der Freilassung – vor allem seine innere Landschaft, Gedanken und Gefühle zur Zeit, die Einordnung der Ereignisse in den historischen Kontext:

“Es handelte sich nicht um systematische Notizen, sondern ganz einfach um Bemerkungen zur laufenden Situation, unvollendete Gedanken, Beschreibungen von Gefühlen. In diesem Sinn sind es die persönlichsten Texte, die ich je im Leben geschrieben habe. Sie illustrieren meine Bedenken, Beunruhigungen und inneren Wandlungen. Objektiv sind sie nicht, aber die Literatur muss keineswegs objektiv sein.”
(Andrzej Szczypiorski: Notizen zum Stand der Dinge, Vorwort zur deutschen Ausgabe, 1990)

Ich lese das Buch im Anschluss an seinen Erzählungsband “Amerikanischer Whiskey”, in dem er in zwölf Erzählungen die Geschichte Polens vom Ersten Weltkrieg bis zum Kriegszustand 1981/1982 Revue passieren lässt. Da er auch in den “Notizen” immer wieder Bezug auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach nimmt, ist diese Lesereihenfolge günstig.

Ich schätze Szczypiorski (Verfasser von u.a. “Die schöne Frau Seidenmann”, “Eine Messe für die Stadt Arras”) für seine klare, schnörkellose Sprache, seinen Humor und seine deutliche Position zu politischen und moralischen Fragen des Zeitgeschehens. Ein wahrer Europäer.

Andrzej Szczypiorski
Notizen zum Stand der Dinge
Zürich: Diogenes Verlag 1990