Musings

Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke

Archive of ‘Allgemeines’ category

Józef Czapski und die “Kultura” – ein Filmabend

Gestern war ich mit dem Mann auf Einladung von Lore Ditzen bei der Aufführung ihres Films “Das Zeugnis des Joseph Czapski” (1981) im Dokumentationszentrum Berliner Mauer in der Brunnenstraße.

Der Abend stand unter dem Motto “Eine Legende: die polnische Exilzeitschrift Kultura und ihr Kreis”, und nach dem Film gab es eine sehr interessante und kenntnisreiche Einführung in die Geschichte und Arbeitsbedingungen der “Kultura” von Basil Kerski, Journalist, Politikwissenschaftler und Chefredakteur des deutsch-polnischen Magazins DIALOG.

Józef Czapski (1896-1993) stammte aus der österreichisch-polnischen Adelsfamilie Hutten-Czapski und war Maler, Schriftsteller und Offizier der Polnischen Armee im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Er war 1941 damit beauftragt worden, das Schicksal polnischer Offiziere aufzudecken, die in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern verschwunden waren, und stieß dabei auf die Spuren des Massakers von Katyn.

Mit den Resten der Polnischen Armee gelangte er 1942 über Turkestan, Iran, Irak, Palästina und Ägypten nach Italien und ließ sich 1945 in Paris nieder, wo er ab 1947 an der von Jerzy Giedroyc gegründeten Exilzeitschrift “Kultura” mitarbeitete.

Giedroyc veröffentlichte in seinem Verlag “Instytut Literacki” (“Literarisches Institut”) neben der “Kultura” bedeutende Werke der polnischen Gegenwartsliteratur und bot vielen Autoren erstmalig die Möglichkeit der Veröffentlichung ihrer Werke, die in Polen nicht möglich war, darunter CzesÅ‚aw MiÅ‚osz, Witold Gombrowicz, Marek HÅ‚asko, Andrzej Bobkowski oder Jerzy Stempowski.

Giedroyc und die “Kultura” nahmen direkt und indirekt Einfluss auf die sich herausbildende demokratische Opposition in Polen und seinen Nachbarländern:

Das Ideal des Kreises um Jerzy Giedroyc war ein unabhängiges, demokratisches Polen, das Demokratie und Unabhängigkeit auch für seine östlichen Nachbarn – die Ukraine, Weißrußland und die baltischen Staaten – voraussetzte. Die „Kultura” erstrebte für die mitteleuropäischen Länder und ihre östlichen Nachbarn eine freiheitliche Zukunft in Europa jenseits von Kommunismus und Nationalismus – zu einer Zeit, als dies völlig unrealisierbar schien.
(aus der Einladung zur Veranstaltung)

Mit dem Tod Giedroycs im Jahre 2000 stellte auch die “Kultura” ihr Erscheinen ein. Sein Verlag besteht noch und gibt weiterhin Bücher und die “Zeszyty Historyczne” (“Historische Hefte”) heraus.

1981 besuchte die Berliner Publizistin Lore Ditzen, damals Kulturredakteurin beim SFB, Józef Czapski in Paris und drehte ein eindringliches Porträt dieses großartigen Künstlers, Pazifisten und Menschen.

Leider ist die Arbeit der “Kultura” wie die Werke vieler polnischer Autoren in Deutschland nach wie vor selbst bei Literaturinteressierten relativ unbekannt, selbst in der deutschsprachigen Wikipedia fehlen Beiträge zu Czapski, Giedroyc und anderen.
In Anbetracht der Tatsache, dass es sowohl englische wie polnische Beiträge gibt, mache ich mich vielleicht an eine Übersetzung – damit diese Leistung nicht vergessen wird.

Kaffee-Lust

Wir unterbrechen das laufende Programm für eines meiner Lieblingsthemen: Kaffee. Roberto Müller macht eine Blog-Parade zum Thema “Der Kaffee am Morgen“, und da gebe ich gerne meinen Senf, äh Kaffee, dazu:

1. Kochst du morgens bewusst Kaffee oder weil es einfach dazu gehört?

Bewusst, denn es ist nach dem Gang ins Badezimmer die erste Aktivität am Morgen und hilft mir, zu mir zu kommen. Es sind einige Arbeitsschritte nötig, die zu meinem Morgenritual gehören: Espressokanne aufschrauben, Kaffeesatz vom Vortag entleeren, Kanne ausspülen, Mini-Kochplatte einschalten, Kaffee in die Kanne einfüllen, Kanne zuschrauben, Kaffee aufsetzen. Milchtopf mit Milch füllen und nach dem Kaffeekochen mit der Resthitze der Platte erwärmen.

Wenn dann Espresso und heiße Milch im Verhältnis 1:1 in meinem Latte-Macchiato-Glas dampfen und die Vorfreude auf den ersten Schluck ihren Höhepunkt erreicht (erinnert sich jemand an die Cappuccino-Szene in Ally McBeal?), ist der Morgen auf gutem Weg.

2. Kochst du normal in der Kaffeemaschine oder zum Beispiel mit einer French Press?

Ich koche mit einer sogenannten “Caffetiera”, einer italienischen Espressokanne aus Aluminium. Um Strom zu sparen, koche ich nicht auf dem E-Herd, sondern auf einer Mini-Kochplatte, auf die die Kanne genau draufpasst.

3. Marken-Kaffee oder No-Name vom Discounter?

Am liebsten Illy. Wenn das nicht geht, Lavazza oder Tchibo Espresso. Von Zeit zu Zeit Espresso-Bohnen von Aldi, die sehr viel besser sind als ihr Ruf. Immer Arabica.

4. Hast du eine Lieblingstasse? Wenn ja, würd ich gern ein Photo von ihr sehen :)

Ein Lieblingsglas, das ich ursprünglich mal für Caipirinha angeschafft habe:

Milchkaffee

5. Milch, Zucker oder schwarz?

Heiße Milch (nicht aufgeschäumt). Der Kaffee schmeckt dann schön sahnig und trotzdem kräftig. Und wach macht er allemal…

Doppelter Regenbogen über Kreuzberg

Dieses ganze Hin und Her in den letzten Tagen mit warm und kalt und Sonne und Regen hatte zumindest gestern nachmittag einen hübschen Nebeneffekt:

Doppelter Regenbogen über Kreuzberg

…einen Doppelregenbogen…

Mit-Freude

Toll, wenn die befreundete Designerin, die sich gerade erst selbständig gemacht hat, gegen etablierte Agenturen einen schönen Auftrag an Land gezogen hat – und zwar nicht über den Preis, sondern über die Idee.

Herzlichen Glückwunsch, Martina!

When winning means everything by HikingArtist.com
Illustration: When winning means everything von Frits Ahlefeldt-Laurvig (HikingArtist.com) unter CC BY-NC-ND 2.0 (via Flickr)

Spam-Poesie

Manchmal bringen die maschinellen Übersetzungen gar Wundersames zustande:

*Man muss welchen Schaden nicht erklären es trägt die Zigarette auf.
Alle wissen es….*

Wir bieten die reale Hilfe an, Tausende Europäer haben diesen Rat schon ausgenutzt.
Nach der Statistik gelten die Kombinationen antidepressant and antismoking Patch am besten.

*_Mache den Versuch – schenke sich noch 10 Jahre des Lebens.

Das ist einfach großartig – dieses Versschema! (” Man muss welchen Schaden…”) Diese Formulierungen! (“…haben diesen Rat schon ausgenutzt”) Die Wortwahl! (gibt es wirklich keine Übersetzung für “antidepressant”?)

Und dann das Verkaufsargument, man solle doch bitte das Anti-Rauch-Mittel zusammen mit dem Anti-Depressions-Mittel nehmen, dann wirke es “am besten”! Kein Wunder, wer das Rauchen aufgibt, kann schon mal depressiv werden.

Schade, dass ich nicht rauche, ich würde nach solch einer hübschen Ansprache vielleicht sogar versuchen, “sich noch 10 Jahre des Lebens” zu schenken.

smoke lotus by linh.ngan
Foto:smoke lotus von  linh.ngan unter CC BY 2.0 (via Flickr)