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Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke

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Urlaub ist, wenn man etwas anderes macht…

…also habe ich einen Sonntag Vormittag am Computer eingetauscht gegen einen Morgen in der Stadt und bin auf Touristenpfaden durch Berlins Mitte spaziert. Bei angesagten 37°C ist später noch genug Zeit für das kühle Arbeitszimmer…

Start war am Hauptbahnhof, wo ich um 9:34 Uhr den Mann in den Zug nach Köln gesetzt habe.
Der kurze Regenschauer, der gerade niedergeht, kühlt zwar nicht ab, ist aber immer für ein hübsches Fotomotiv gut:

Berlin-Hauptbahnhof

Los geht’s über die Gustav-Heinemann-Brücke Richtung Regierungsviertel.
Am Spreeufer überquere ich den sog. “Spurengarten”. Er ist Teil des 2005 fertiggestellten Spreebogenparks und soll an die Vorgärten des gründerzeitlichen Alsenviertels erinnern, das an dieser Stelle zwischen 1870 und 1880 entstand und sich um 1900 zu einem bevorzugten Standort diplomatischer Vertretungen entwickelt hat. Heute steht davon nur noch die Botschaft der Schweiz.

Spurengarten im Spreebogenpark

Auch am Bundeskanzleramt sorgt der morgendliche Schauer für schöne Motive:

Forum am Bundeskanzleramt Berlin

 

Bundeskanzleramt Berlin, Ehrenhof

Nächster Stopp ist der Reichstag, wo die ersten Touristengruppen aufschlagen:

Reichstag Berlin

Die Container des Besucherdienstes stehen direkt neben dem Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete.

Reichstag Berlin

Die roten Säulen gehören zur “Porträtausstellung” im Rahmen des Berliner Themenjahrs “Zerstörte Vielfalt“.

Zwischen Reichstag und Brandenburger Tor befindet sich das im Oktober 2012 eingeweihte Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas:

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Simsonweg, Berlin-Tiergarten, Juli 2013

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Simsonweg, Berlin-Tiergarten, Juli 2013

 

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Die Gestaltung stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Das kreisrunde Wasserbecken symbolisiert einen Brunnen mit schwarzem – “endlos tiefem” – Grund. In die Beckenmitte platzierte der Künstler eine dreieckige steinerne Stele, die an den Winkel auf der Kleidung der KZ-Häftlinge erinnert. Auf dem Stein liegt jeweils eine frische Blume. Immer wenn sie verwelkt ist, versinkt der Stein in der Brunnentiefe, um sich dann wieder emporzuheben – mit einer neuen Blume; gleichzeitig Symbol des Lebens, der Trauer und Erinnerung.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Simsonweg, Berlin-Tiergarten, Juli 2013

Gegenüber vom Brandenburger Tor laden lange Steinbänke zum Verweilen und Schauen ein:

Steinbank am Brandenburger Tor

Einen Steinwurf hinter Brandenburger Tor und US-Botschaft befindet sich das Denkmal für die ermordeten Juden Europas:

Holocaust-Mahnmal Berlin

Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal) Berlin-Mitte, Juli 2013

Das beeindruckende Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman ist mit seinen 2.711 Stelen ein faszinierender Ort. Die Gestaltung begeistert mich jedes Mal, wenn ich dort bin:

Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal) Berlin-Mitte, Juli 2013

Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal)

Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal) Berlin-Mitte, Juli 2013

Gleich gegenüber befindet sich am Rande des Tiergartens das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen vom dänisch-norwegischen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset (2008 eingeweiht):

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Hinter dem Fenster befindet sich ein Bildschirm, auf dem Filmszenen aus dem Alltag homesexueller Paare zu sehen sind.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegen in den sog. Ministergärten die Landesvertretungen verschiedener Bundesländer, zum Beispiel Niedersachsen und Hessen, aber auch Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Landesvertretung von Niedersachsen ziert nicht etwa einer der beliebten Berliner Buddy Bears, sondern ein Elefant in den Landesfarben, bedruckt mit den Namen niedersächsischer Kreisstädte:

Roter Elefant vor der Landesvertretung Niedersachsens in Berlin

Er ist ein Werbegeschenk der Stadt Hannover und soll Touristen auf den Zoo der Landeshauptstadt und überhaupt auf “das schöne Land im Norden” aufmerksam machen.

Und dann tauchen schon die Hochhäuser des Potsdamer Platzes vor mir auf: das Beisheim Center, das Sony Center, der Bahntower und der Kollhoff-Tower:

Potsdamer Platz

Es ist kurz vor 10:00 Uhr, und ich gönne mir ein zweites Frühstück im “Caras“, direkt am Potsdamer Ecke Leipziger Platz – Couscous-Salat und einen Iced Chai Tea:

Snack - Couscous-Salat und Iced Chai Tea

Potsdamer Ecke Leipziger Platz

Nur einen Schritt weiter hat man einen tollen Blick auf Beisheim-Center, Bahn- und Kollhoff-Tower:

Beisheim-Center, Potsdamer Platz

Bahntower, Potsdamer Platz

Kollhoff-Tower, Potsdamer Platz

Noch ein kurzer Fotostop zwischen Potsdamer und Leipziger Platz – die pink- und lilafarbenen Röhren dienen dazu, Grundwasser aus den immer noch zahlreich vorhandenen Großbaustellen (Leipziger Platz, Schlossplatz, Unter den Linden…) abzupumpen:

Pink Pipelines am Leipziger Platz

Mitten auf dem Potsdamer Platz hat jemand ein Fahrrad in ein Kunstwerk bzw. einen Werbeträger für die Opernwerkstätten verwandelt:

Fahrradkunst

Unverzichtbares Andenken:

Berlin-Taschen als Souvenir

Kurz vor der Heimfahrt noch der Blick in eine Seitenstraße, dann geht es nach Hause:

Gildehaus der Berliner Papier- und Druckgewerbe

Bei diesem schönen Gebäude in der Dessauer Straße 1-2 handelt es sich um das Gildehaus der Berliner Papier- und Druckgewerbe, das 1906 von Bruno Schmitz, dem Erbauer u.a. des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig und des Deutschen Ecks in Koblenz, im Auftrag der Papierhaus Carl Hofmann GmbH errichtet wurde.

Januar 2013: Koblenz

Apfelbaum mit Misteln

Apfelbaum mit Misteln (Koblenz-Arzheim)

Winterstimmung Zaun

Winterstimmung

Rainfarn im Winter

Rainfarn im Winter

Koblenz - Zentralplatz

Koblenz, Zentralplatz: Forum Confluentes (links) und Forum Mittelrhein (rechts)

Koblenz - Forum Mittelrhein - Fassadendetail

Weinlaub? – Fassadendetail am Forum Mittelrhein (Koblenz).
Das grüne Zeug sind tiefgezogene, pulverbeschichtete Aluminiumtafeln, die Weinlaub symbolisieren sollen.

Forum Mittelrhein

Forum Mittelrhein – In Anlehnung an die benachbarte Vulkaneifel wurde im Innern des Forums das Thema Vulkanismus als Gestaltungsgrundlage verwendet. Die verschiedenen Farben symbolisieren den Temperaturanstieg des Gesteins, je tiefer man in den Berg hineingeht.

Einkaufszentrum Forum Mittelrhein am Koblenzer Zentralplatz

Einer der vier Lichthöfe im Einkaufszentrum Forum Mittelrhein am Koblenzer Zentralplatz – Eröffnung September 2012

Debbekooche

Rheinische Spezialität Döppekooche (in Koblenz: Debbekooche), ein Gericht aus geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern und Gewürzen

ggg

Januar 2013: Fürstenfeldbruck

Türkische Köstlichkeiten - Kebab mit Zucchinipflanzerl

Türkische Köstlichkeiten – Kebab mit Zucchinipflanzerl (München-Pasing)

Kloster Fürstenfeld

Kloster Fürstenfeld

Kloster Fürstenfeld

Kloster Fürstenfeld – Eingang zur Klosterkirche

Kloster Fürstenfeld

Kloster Fürstenfeld – Klosterkirche

Kloster Fürstenfeld - Klosterkirche

Kloster Fürstenfeld – Klosterkirche  St. Mariä Himmelfahr

Kloster Fürstenfeld - Klosterkirche

Kloster Fürstenfeld – Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt

Kloster Fürstenfelc - Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt

Kloster Fürstenfelc – Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt

Fürstenfeldbruck - Liebesschlösser am Silbersteg

Liebesschlösser am Silbersteg (Fürstenfeldbruck)

STOP eating animals

STOP eating animals (Fürstenfeldbruck)

© Alle Fotos: Astrid Kuckartz

Generationenwechsel

Kempten im Winter 1938/39

Das Bild zeigt meine Großeltern, Urgroßeltern und meinen Großonkel: Joseph (Sepp), Johann (Hannes), Wilhelmine (Minna), Josef und Wilhelmine (von links nach rechts).

Alle sehen fröhlich aus, besonders Hannes und der junge Sepp – vielleicht wurde das Bild an seinem 14. Geburtstag am 8. Januar 1939 aufgenommen.

Hannes hat allen Grund, fröhlich und stolz zu sein: Vor einem halben Jahr hat er seine geliebte Minna geheiratet, das erste Kind, ein Sohn, ist unterwegs und wird in wenigen Wochen zur Welt kommen, er versteht sich gut mit seinen Schwiegereltern, und er ist beruflich erfolgreich.

Hier trübt allerdings ein Wermutstropfen seine Freude: Er ist zwar Geschäftsführer zweier Warenhäuser in Kempten und Heilbronn, dies aber hauptsächlich deswegen, weil der Mann seiner Steifschwester ihm das Geschäft übertragen hat, bevor es enteignet werden konnte.

Der Mann, mit dem sich Hannes so gut verstand wie mit einem Bruder, ist Jude und hat Deutschland verlassen, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen.

Josef hält “seine” beiden Frauen noch fest im Arm, aber es deutet sich bereits der Generationenwechsel an: beide Frauen sehen zum strahlenden Hannes hinüber, der wiederum den “Patriarchen” stolz und selbstbewusst anlacht.

Josef wird drei Jahre später im Alter von 59 Jahren an Krebs sterben, während Wilhelmine, 10 Jahre jünger als ihr Mann, noch weitere 40 Jahre lebt und mit fast 90 Jahren bei Minna und Hannes in Heilbronn sterben wird, wohin sie einige Monate vor ihrem Tod zieht.

Sepp, Minnas kleiner Bruder, ist ein fröhliches Kind, ein unternehmungslustiger Junge. Sein größter Wunsch ist es, Flieger zu werden.

Er wird ihn sich erfüllen, aber mit dem Leben bezahlen – am 14.1.1945 wird er beim Luftkampf um Berlin abgeschossen werden.

Hannes wird den Krieg überleben und mit Minna und ihren – dann – zwei Kindern nach Heilbronn ziehen. Sie werden ein Haus bauen, weitere drei Kinder bekommen und ein erfülltes Leben führen.

Hannes wird 1990 im Alter von 84 Jahren sterben, und Minna wird ihm zehn Jahre später nachfolgen.